Um genau 9:30 Uhr am Freitag, dem 5. Juni 2026, gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine Senkung ihres Leitzinses um 25 Basispunkte auf 0,25 % bekannt. Die Entscheidung, von den meisten Analysten erwartet, aber nicht vom gesamten Markt, verdeutlicht die neue Phase, in die die SNB seit der Wende 2024 eingetreten ist: die Kontrolle des Frankens, und nicht mehr die Inflation, zum Hauptaugenmerk ihrer Geldpolitik zu machen.

Eine gezähmte Inflation, ein Franken, der Exporteure bedroht

Die Schweizer Inflation, gemessen im Jahresvergleich, sank im Mai auf 0,7 %, im unteren Bereich des Preisstabilitätsziels (0-2 %). Umgekehrt hat der Schweizer Franken gegenüber Euro und Dollar im gesamten Frühjahr weiter aufgewertet: Bei 0,93 CHF/EUR erreicht er einen historischen Höchststand seit der Aufhebung des Mindestkurses im Jahr 2015. Für Exporteure – Uhrenindustrie, Pharmazie, Präzisionsmaschinen – macht sich der Wettbewerbsdruck bemerkbar.

Das Communiqué der SNB, unterzeichnet von ihrer neuen Präsidentin Petra Tschudin, ist explizit: *„Die Kombination aus moderater Inflation und einem überbewerteten Franken rechtfertigt eine weitere geldpolitische Lockerung und schließt gegebenenfalls eine Rückkehr zu Negativzinsen nicht aus.“* Der Verweis auf Negativzinsen – in der Schweiz zwischen 2015 und 2022 eingesetzt – rückt ein Instrument wieder ins Bewusstsein, das die Märkte für aus der Werkzeugkiste verschwunden hielten.

Die Eckdaten der Sequenz

  • 0,25 %: Neuer SNB-Leitzins, gültig ab 6. Juni 2026.
  • 0,7 %: Schweizer Inflation im Jahresvergleich im Mai 2026.
  • 0,93: CHF/EUR-Kurs zum Zeitpunkt der Ankündigung.
  • +4,2 Milliarden CHF: Von der UBS veröffentlichter Nettogewinn des Quartals, +18 % gegenüber dem Vorjahr.
  • 6.050 Milliarden CHF: Gesamtes verwaltetes Vermögen der UBS-Gruppe, neuer Rekord.
  • 80 %: Anteil der UBS-Einnahmen, der nun außerhalb des Investmentbankings erzielt wird.

UBS, die weltweit führende Privatbank – und das mit Abstand

Wenige Stunden nach der SNB-Entscheidung veröffentlichte die UBS ihre Ergebnisse für das erste Quartal – aufgrund des Integrationskalenders der Credit Suisse verschoben. Die Gruppe weist einen Nettogewinn von 4,2 Milliarden Schweizer Franken aus, +18 % gegenüber dem Vorjahr, hauptsächlich getragen durch die Wealth Management Sparte. Das verwaltete Vermögen erreicht 6.050 Milliarden Schweizer Franken und festigt die Position der UBS als weltweit führende Privatbank, vor Morgan Stanley Wealth Management und Bank of America.

CEO Sergio Ermotti bestätigte, dass die Integrationsphase der Credit Suisse, die im März 2023 mit der von den Schweizer Behörden orchestrierten Blitzfusion begann, nun in ihr letztes Jahr eintritt: Die wichtigsten IT-Systeme werden bis Ende des vierten Quartals migriert, was einen Produktivitätszyklus freisetzen und die Rückkehr zu einer großzügigeren Aktienrückkaufpolitik ermöglichen wird.

Zürich, ein Finanzplatz im Umbruch

Hinter den Zahlen setzt der Finanzplatz Zürich seinen Umbau fort. Die extreme Konzentration des Sektors um die UBS – nun ohne echte inländische Konkurrenz – hat Bern dazu veranlasst, einen verstärkten aufsichtsrechtlichen Rahmen für die systemrelevante Großbank des Landes vorzuschlagen: verschärfte Eigenkapitalanforderungen, überarbeiteter Sanierungsplan, Bonusregulierung.

Im Gegenteil dazu erlebt die unabhängige Vermögensverwaltung, lange Zeit durch das Ende des Bankgeheimnisses und die Konsolidierung geschwächt, eine gewisse Vitalität. Schweizer Family Offices verwalten laut Asset Management Association Switzerland mittlerweile mehr als 800 Milliarden Franken zugunsten einer internationalen ultrareichen Klientel. Die vorhersehbare Besteuerung und die institutionelle Stabilität bleiben die wichtigsten Argumente des Standortes.

Zum Merken

- SNB senkt ihren Leitzins am 6. Juni 2026 auf 0,25 %.

- Schweizer Inflation bei 0,7 %, Franken bei 0,93 CHF/EUR – Druck auf Exporteure.

- UBS veröffentlicht Rekordquartal: 4,2 Mrd. CHF Nettogewinn, 6.050 Mrd. CHF verwaltetes Vermögen.

- Integration der Credit Suisse in der Endphase, IT-Abschluss Ende 2026 geplant.

- Bern bereitet einen verstärkten aufsichtsrechtlichen Rahmen für die UBS vor, die nun einzige systemrelevante Schweizer Bank.