Während die Kanzleien über Uran diskutieren und die Börsen den Ölpreis beobachten, verändern die Franzosen heimlich ihre Konsumgewohnheiten. Eine am Dienstag, dem 21. April 2026, von Comarketing-News veröffentlichte Studie, die auf einem repräsentativen Panel von 2.000 Personen basiert, zeigt, dass 66 % der Franzosen mittlerweile mindestens einmal pro Quartal gebrauchte Artikel kaufen oder verkaufen. Diese Zahl, die in zwei Jahren um neun Punkte gestiegen ist, spiegelt einen tiefgreifenden Wandel wider: Secondhand ist kein Randphänomen von Öko-Nischen oder jungen Erwachsenen mehr, sondern zum gemeinsamen Reflex der Mehrheit geworden. Die Welle betrifft nun alle Generationen, alle sozialen Schichten und alle Regionen - auch die wohlhabendsten.
Vinted, Leboncoin, Vestiaire Collective: Das führende Trio
Die dominierenden Plattformen bleiben dieselben wie im Vorjahr, aber ihre Anteile verändern sich. Vinted bleibt mit 41 % der von den Befragten angegebenen Transaktionen unangefochtener Marktführer, gefolgt von Leboncoin (28 %) und Vestiaire Collective (8 %). Das Hauptereignis dieses ersten Quartals 2026 ist jedoch der Durchbruch von Joli Closet und Vinokilo, zwei europäischen Akteuren, die sich auf High-End-Mode und Vintage spezialisiert haben und zusammen 6 % der Transaktionen einfahren – ein noch nie dagewesenes Ergebnis. Die Königskategorie bleibt die Kleidung (61 % der Transaktionen), gefolgt von Kinderartikeln (14 %), Büchern (9 %) und Elektronik (8 %). Der durchschnittliche Warenkorb auf Vinted übersteigt erstmals 22 Euro und deutet auf eine Aufwertung der angebotenen Produkte hin.
Die Kraftstoffkrise, ein stiller Beschleuniger
Der wirtschaftliche Kontext verstärkt die Bewegung. Bei einem durchschnittlichen Dieselpreis von 2,18 Euro pro Liter im Land und erwarteten Regierungsankündigungen am späten Dienstagnachmittag, dem 21. April, durch Premierminister Sébastien Lecornu, suchen die Haushalte überall nach Möglichkeiten, die erhöhten Mobilitätskosten auszugleichen. Laut der Generaldirektion des Schatzamtes ging der Konsum der Haushalte an Waren im Februar 2026 um 1,4 % zurück, nach +0,4 % im Januar. In dieser Lücke spielt Secondhand seine Rolle als Puffer: Es ermöglicht, das Konsumvolumen weitgehend konstant zu halten, indem die durchschnittlichen Kosten pro Artikel bei gleicher Qualität laut Schätzungen von Fevad und dem Beratungsunternehmen Xerfi um etwa 60 % gesenkt werden.
Marktplätze: Mehr Traffic, weniger Marge
Dieses Wachstum ist jedoch nicht ohne Nachteile für die Händler. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Lengow, die auf den Daten von 300 französischen Händlern über zwölf Monate basiert und am Dienstag von Ecommerce Nation wiedergegeben wurde, zeigt ein besorgniserregendes Phänomen für die Marken: Auf den Marktplätzen (Amazon, Cdiscount, Fnac) ist der durchschnittliche Warenkorb der französischen Verbraucher innerhalb eines Jahres um 12 % gesunken, von 47 auf 41 Euro. Gleichzeitig sind die an die Plattformen gezahlten Provisionen im Durchschnitt um 8 % gestiegen. Das Ergebnis: Die Netto-Marge der Händler auf diesem Kanal bricht ein, und mehrere kleine und mittelständische Unternehmen im Textil- und Dekorationsbereich erwägen nun eine teilweise Rückkehr zum Direktvertrieb über ihre eigene Website, trotz des damit verbundenen Marketingaufwandes.
Die Franzosen konsumieren weniger, aber besser
Hinter den Zahlen zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Laut dem im März 2026 veröffentlichten Fevad-Bericht gaben die Franzosen im gesamten Jahr 2025 fast 200 Milliarden Euro im E-Commerce aus, aber die Kauffrequenz stieg, während der durchschnittliche Warenkorb sank. Anders ausgedrückt: Wir bestellen öfter, aber günstiger. Impulskäufe bei Shein, Temu oder AliExpress gehen zum ersten Mal seit drei Jahren zurück, bedingt durch verstärkte Zollgebühren und ein wachsendes Umweltbewusstsein. Im Gegensatz dazu steigen die Abonnements für thematische Boxen (lokale Lebensmittel, Lesen, verantwortungsvolle Schönheit) im Jahresvergleich um 22 %.
Das Urteil der Redaktion
Der französische Konsum tritt in eine Phase der tiefgreifenden Rationalisierung ein, und die Bewegung hin zu Secondhand ist wahrscheinlich das aussagekräftigste Merkmal dieser neuen Ära. Fernab von moralisierenden Diskursen über erzwungene Nüchternheit erleben wir eher die Entstehung eines klaren Verbrauchers, der ohne Komplexe oder Ideologie Kosten, Qualität und Umweltauswirkungen abwägt. Für die Marken ist die Herausforderung nun existenziell: Entweder sie integrieren Secondhand in ihr eigenes Angebot - wie Decathlon mit seinem Trocathlon-Programm oder Petit Bateau mit seiner Plattform Seconde Vie - oder sie riskieren, schrittweise an den Rand gedrängt zu werden. Für die Plattformen wird die Herausforderung darin bestehen, ihr Wachstum aufrechtzuerhalten, ohne die Händler zu ersticken, die ihr Volumen ausmachen.
Zusammenfassend
- 66 % der Franzosen kaufen oder verkaufen mindestens einmal pro QuartalSecondhand-Artikel.
- Vinted bleibt Marktführer (41 %), gefolgt von Leboncoin (28 %) und Vestiaire Collective (8 %)).
- Durchschnittlicher Warenkorb auf Marktplätzen: -12 % in einem Jahr, auf 41 Euro gesunken.
- Konsum der Haushalte an Waren: -1,4 % im Februar 2026 laut dem Schatzamt.
- Decathlon, Petit Bateau und andere Marken integrieren Secondhand in ihr eigenes Angebot.
Quellen:




