Lange Zeit sprach man von Öl. Wir beginnen gerade erst zu verstehen, dass wir in den nächsten zwei Jahrzehnten über Lithium, Kobalt, Nickel, seltene Erden und Graphit sprechen müssen. Die Energiewende – Elektrofahrzeuge, stationäre Batterien, Windkraft, Solarenergie, Kernkraft der neuen Generation – basiert auf einigen Mineralfamilien, deren Produktion und, noch mehr, deren Raffination in einer sehr begrenzten Anzahl von Ländern konzentriert sind.

Die Weltkarte der strategischen Rohstoffe

Die Demokratische Republik Kongo produziert etwa 70 % des weltweiten Kobalts. Indonesien hat seinen Marktanteil bei Nickel innerhalb von fünf Jahren verdoppelt und übersteigt 55 %. Australien und Chile teilen sich den Großteil der Lithiumgewinnung, aber China dominiert dessen Raffination (über 60 %). Bei den seltenen Erden sichert China immer noch 70 % der Bergbauproduktion und 90 % der weltweiten Raffination, trotz amerikanischer (Mountain Pass) und australischer (Lynas) Bemühungen.

Diese Geografie schafft neue Abhängigkeiten. Die Europäische Union ist bei seltenen Erden zu über 95 %, bei raffiniertem Lithium zu 86 % und bei raffiniertem Kobalt zu 63 % abhängig, hauptsächlich von China. Diese Größenordnungen, die von der Europäischen Kommission in ihrem April 2026 veröffentlichten Bericht über den Stand des Critical Raw Materials Act (CRMA) veröffentlicht wurden, motivieren die 2023 eingeleitete und seitdem beschleunigte Mineralautonomie-Strategie.

Die wichtigsten Zahlen für kritische Metalle 2026

70 %: Anteil der DR Kongo an der weltweiten Kobaltproduktion.

55 %: Anteil Indonesiens an der weltweiten Nickelproduktion.

60 %: Anteil Chinas an der weltweiten Lithiumraffination.

90 %: Anteil Chinas an der weltweiten Raffination seltener Erden.

34: Anzahl der von der EU im Jahr 2025 als „kritisch“ eingestuften Rohstoffe (gegenüber 27 im Jahr 2020).

10 %: Ziel der Extraktion auf europäischem Boden bis 2030 (CRMA).

40 %: Ziel der Verarbeitung auf europäischem Boden.

25 %: Ziel des internen Recyclings.

Der europäische CRMA: ein Kompass, kein Zauberstab

Der im Mai 2024 in Kraft getretene Critical Raw Materials Act legt drei Ziele für das Jahr 2030 fest: 10 % Extraktion, 40 % Verarbeitung und 25 % Recycling strategischer Materialien auf europäischem Boden. Vor allem führt er einen Mechanismus für strategische Projekte ein: beschleunigte Auswahl, prioritäre EIB-Finanzierung, kontrollierte Verfahrensausnahmen (Bergbaugenehmigungen, Umweltverträglichkeitsprüfungen).

Seit 2024 wurden etwa vierzig strategische Projekte benannt: Eramet (Lithium in Frankreich), KGHM (Kupfer/Kobalt in Polen), Vulcan Energy (geothermisches Lithium in Deutschland), Talga (Graphit in Schweden), Mineracao Norte Mineira (seltene Erden in Portugal über EU-Brasilien-Konsortium). Viele dieser Projekte stoßen jedoch auf die gleichen Hindernisse: lokale Widerstände, Umweltstreitigkeiten, Schwierigkeiten, privates Kapital für Bergbauzyklen von 10-15 Jahren anzuziehen.

Die neuen südlichen Routen

Europa wird seine Ziele ohne strategische Partnerschaften nicht erreichen können. Die Kommission unterzeichnete 2024-2025 Abkommen mit Serbien (Lithium), Chile (Lithium, Kupfer), Argentinien (Lithium), Sambia und der DR Kongo (Kobalt, Kupfer), Kasachstan (seltene Erden) und Grönland (seltene Erden, Graphit). Diese Partnerschaften sind sowohl wirtschaftlich als auch diplomatisch: Sie sollen den produzierenden Ländern eine glaubwürdige Alternative zu chinesischen Investitionen bieten, deren Präsenz in Subsahara-Afrika und Lateinamerika dominant geworden ist.

Die amerikanische Strategie, über die 2022 mit einem Dutzend Partnern (EU, Japan, Südkorea, Vereinigtes Königreich, Kanada, Australien) ins Leben gerufene Minerals Security Partnership, verfolgt die gleiche Logik. Der Wettbewerb zwischen Washington, Brüssel und Peking um die Sicherung der Lieferketten ist nun offen, strukturbildend und wahrscheinlich irreversibel.

„Wer die Raffination beherrscht, beherrscht die Kette. Heute ist es bei seltenen Erden China. Und wir werden mindestens zehn Jahre brauchen, um aufzuholen.“ – Christel Bories, Präsidentin von Eramet, Anhörung im französischen Senat, März 2026.

Wichtige Erkenntnisse

Die EU ist bei seltenen Erden zu 95 % und bei raffiniertem Lithium zu 86 % abhängig.

Der CRMA legt Ziele für 2030 fest: 10 % Extraktion, 40 % Verarbeitung, 25 % Recycling.

Etwa vierzig strategische Projekte seit 2024 benannt.

China dominiert die Raffination: 60 % bei Lithium, 90 % bei seltenen Erden.

Partnerschaften EU-Chile, EU-Serbien, EU-DR Kongo: Die Minen-Diplomatie prägt die Jahre 2026-2030.

Die industriellen Vorlaufzeiten im Bergbau (10-15 Jahre) erfordern jetzt Entscheidungen, um 2035 liefern zu können.