Amazon Web Services (AWS) hat die Einführung eines speziell entwickelten Tools für künstliche Intelligenz bekannt gegeben, das die frühen Phasen der Medikamentenentwicklung beschleunigen soll. Laut Reuters (14. April 2026) nutzt diese Plattform generative Modelle, um molekulare Interaktionen zu simulieren und die vielversprechendsten Verbindungen zu identifizieren, wodurch der traditionelle F&E-Zyklus in der Pharmazie potenziell um mehrere Jahre verkürzt werden kann.
Wie funktioniert es?
Das AWS-Tool kombiniert molekulare Diffusionsmodelle und graphische neuronale Netze, um die dreidimensionale Struktur von Zielproteinen vorherzusagen und die Bindung Tausender von Medikamentenkandidaten innerhalb weniger Stunden zu simulieren – während traditionelle Methoden monatelanges Screening im Labor erfordern. Amazon behauptet, die Plattform habe bereits vielversprechende Kandidaten für drei therapeutische Ziele in der Onkologie identifiziert.
Ein harter Wettbewerb
Amazon tritt in einen hart umkämpften Markt ein: Google DeepMind (mit AlphaFold), Microsoft (mit seiner BioGPT-Plattform) und Startups wie Recursion Pharmaceuticals und Insilico Medicine investieren massiv in KI, die in der Pharmaforschung eingesetzt wird. Der weltweite Markt für KI in der Medikamentenentwicklung soll bis 2028 ein Volumen von 6,2 Milliarden US-Dollar erreichen.
Souveränitätsfragen
In Europa versucht die Initiative JEDI (Joint European Data Infrastructure), eine Alternative zu den amerikanischen Cloud-Giganten für die biomedizinische Forschung anzubieten. Frankreich hat über den Plan France 2030 400 Millionen Euro in die KI im Gesundheitswesen investiert, ist aber für groß angelegte Berechnungen weiterhin von amerikanischen Cloud-Infrastrukturen abhängig.





