Die globale Modeindustrie, die laut McKinsey (Fashion Retail Outlook 2026 von Strategy& PwC) schätzungsweise 1,7 Billionen Dollar schwer ist, bereitet sich auf eine ihrer größten regulatorischen Transformationen vor: Der Digitale Produktpass (DPP), der durch die Europäische Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) vorgesehen ist, wird für jedes in der EU verkaufte Textilprodukt einen QR-Code vorschreiben, der dessen Zusammensetzung, Herkunft, CO2-Fußabdruck und Recyclinganweisungen detailliert darstellt.

LVMH, der weltweit größte Luxuskonzern (Umsatz 2024: 86,2 Milliarden Euro), investiert massiv in KI. Der Konzern nutzt künstliche Intelligenz für Trendvorhersagen, Bestandsoptimierung, Qualitätskontrolle von Rohmaterialien (Fehlererkennung in Leder bei Hermès) und die Personalisierung des Kundenerlebnisses. Jedes Haus des Konzerns passt die KI an seine spezifischen handwerklichen Besonderheiten an.

Virtuelle Anproben in erweiterter Realität werden immer häufiger. Zara, H&M und Plattformen wie ASOS bieten Tools an, mit denen Kunden Kleidung über ihr Smartphone am eigenen Körper visualisieren können. Laut den Marken reduzieren diese Technologien die Retouren im E-Commerce um 20 bis 30 %, was in einem Sektor, in dem die Online-Retourenquote teilweise über 40 % liegt, eine große Herausforderung darstellt.

Shein, das chinesische Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen, verwendet Algorithmen, um Mikrotrends in sozialen Netzwerken zu erkennen und in kleinen Serien (100-200 Stück) zu produzieren, bevor erfolgreiche Produkte skaliert werden. Dieses „Test and Repeat“-Modell reduziert unverkauften Bestand, wirft aber ethische Fragen zu Überkonsum und Produktionsbedingungen auf.

Nachhaltige Mode gewinnt an Bedeutung. Marken wie Stella McCartney, Veja und Patagonia haben die kommerzielle Rentabilität einer umweltbewussten Positionierung bewiesen. Innovative Materialien – Pilzleder (Mylo), synthetische Spinnenseide (Bolt Threads), recycelte Fasern – machen Fortschritte, bleiben aber im Vergleich zu konventionellen Materialien mengenmäßig marginal.

Modeschulen integrieren KI massiv in ihre Lehrpläne. Central Saint Martins, Parsons und das IFM Paris bilden eine neue Generation von Designern aus, die sich mit generativem Design, 3D-Modellierung und KI-gestützten Kreativwerkzeugen auskennen, während sie gleichzeitig die Grundlagen der Kreativität und des handwerklichen Könnens bewahren.