Ein „toter Justiztag“ in ganz Frankreich. Das ist die Vorgehensweise, die die Anwälte gewählt haben, um am Montag, dem 13. April 2026, ihren sehr deutlichen Widerstand gegen den Strafjustizgesetzentwurf von Gérald Darmanin Gehör zu verschaffen, berichtet La Croix. Dieser Text, der im Senat zur Debatte steht, zielt darauf ab, die Überlastung der Justiz – fast 6.000 Strafsachen warten auf ihre Verhandlung in Frankreich – zu bekämpfen, aber seine Methoden spalten die Justizwelt tiefgreifend.
Die drei verhassten Maßnahmen
La Croix und France Info erläutern die drei umstrittensten Bestimmungen. Erstens, die Ausweitung der gerichtlichen Vorabprüfung der Schuld (CRPC), des französischen „Schuldgeständnisses“, auf Verbrechen, die mit 15 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Zweitens, die Möglichkeit, bestimmte Verbrechen vor einem Strafgericht mit nur einem Berufsrichter, ohne Geschworene, zu verhandeln. Drittens, die Erhöhung der Zahl der „Justizpunkte“ zur Entlastung der Gerichte, jedoch ohne Garantie zusätzlicher Mittel für die Gerichte.
Die Wut der Anwaltskammern
Le Parisien berichtet, dass Gérald Darmanin, Justizminister, den Konsens sucht, stößt aber auf eine geeinte Front der juristischen Berufe. Die Anwälte prangern eine „Bürojustiz“ an, die die Bürger vom Justizverfahren entferne und die Verteidigungsrechte einschränke. Der Nationale Anwaltsrat hat zu einer Mobilisierung in den 164 Anwaltskammern Frankreichs aufgerufen. In Paris, Lyon, Marseille und Bordeaux wurden Anhörungen ausgesetzt oder verschoben, wobei die Anwälte symbolisch ihre Roben vor den Justizpalästen niederlegten.
Eine demokratische Frage
Über die juristische Technik hinaus berührt die Debatte grundlegende Fragen. CNews berichtet, dass die Senatoren der Opposition, sowohl links als auch in der Mitte, mehr als 300 Änderungsanträge eingereicht haben. Die Gefahr, so die Kritiker des Textes, besteht darin, eine Justiz mit zwei Geschwindigkeiten zu schaffen: schnell und degradiert für alltägliche Fälle, langsam und vollständig nur für mediale Dossiers. Der Garde des Sceaux behauptet im Gegenteil, seine Reform „modernisiere“ die Justiz, ohne die Grundrechte zu opfern. Die Abstimmung im Senat wird im Laufe der Woche erwartet.
Quellen: - La Croix — Justizreform: Die drei Maßnahmen, die die Anwälte wütend machen, 13. April 2026 - France Info — Anwälte rufen zur Mobilisierung gegen das Darmanin-Projekt auf, 13. April 2026 - Le Parisien — Strafjustizgesetzentwurf: Darmanin auf der Suche nach Konsens, 13. April 2026 - CNews — Langsamkeit der Justiz: Ein neues Gesetz wird von den Senatoren debattiert, 13. April 2026





