Die Menschheit hat am Sonntag, dem 6. April 2026, die bemannte Mondexploration wieder aufgenommen. Die vier Astronauten der Mission Artemis II – Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen – überquerten die Mondrückseite an Bord des Raumschiffs Orion und markierten damit den ersten Vorbeiflug von Menschen in der Nähe unseres natürlichen Satelliten seit der Apollo 17 Mission im Dezember 1972. Gestartet am 1. April vom Kennedy Space Center in Florida, legten die Astronauten mehr als 400.000 Kilometer zurück und pulverisierten damit den von Apollo 13 im Jahr 1970 aufgestellten Distanzrekord für einen bemannten Flug. (Quelle: NASA, AP, Nature)
Der kritischste Moment der Mission ereignete sich am 3. April während der translunaren Injektion, als der Haupttriebwerk von Orion fast sechs Minuten lang gezündet wurde, um die Geschwindigkeit des Raumschiffs auf 39.400 km/h zu erhöhen – die notwendige Schwelle, um sich der Erdanziehungskraft zu entziehen. Kommandant Wiseman bestätigte live, dass alle Systeme den nominalen Betrieb aufwiesen, eine immense Erleichterung für die Teams des Kontrollzentrums in Houston, die das Manöver hunderte Male in Simulationen geübt hatten. Das Raumschiff Orion begann daraufhin seine freie Umlaufbahn um den Mond.
Der eigentliche Mondüberflug, der in einer Höhe von etwa 130 Kilometern über der Oberfläche stattfand, bot den Astronauten einen atemberaubenden Blick auf die Krater der Rückseite – eine Region, die bisher nur die Besatzungen von Apollo 8 und 13 mit eigenen Augen sehen konnten. Christina Koch, die erste Frau, die den Mond aus dieser Nähe sah, beschrieb das Schauspiel als „absolute geologische Stille, eine Schönheit, die Bilder nicht wiedergeben können“. Jeremy Hansen wurde zum ersten nicht-amerikanischen Astronauten, der den Mond überquerte, ein historischer Meilenstein für die Canadian Space Agency.
Artemis II stellt den zweiten Schritt im Artemis-Programm der NASA dar, dessen ultimatives Ziel es ist, Astronauten mit der Mission Artemis III, die für 2028 geplant ist, wieder auf die Mondoberfläche zu bringen. Die aktuelle Mission, die zehn Tage dauert, zielt darauf ab, alle Systeme des Orion-Raumschiffs und des europäischen Servicemoduls unter realen Bedingungen eines translunaren Fluges zu testen. Die Rückkehr zur Erde ist für den 11. April mit einer Wasserung im Pazifischen Ozean vor San Diego geplant. Die gesammelten Daten werden die Parameter für die Landemission bestimmen.
Der Erfolg von Artemis II kommt in einem angespannten geopolitischen Kontext, der der Mission eine besondere symbolische Dimension verleiht. Während der Krieg im Iran die weltweite Aufmerksamkeit fesselt, erinnert der Mondüberflug an die Fähigkeit der Menschheit, trotz irdischer Konflikte friedliche und wissenschaftliche Ziele zu verfolgen. Das Artemis-Programm ist auch ein Faktor im Weltraumwettbewerb: China bereitet seine eigene bemannte Mondmission für 2030 vor, und der amerikanische Erfolg stärkt die Position der NASA in diesem neuen Weltraumrennen.





